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Aus der Chronik der Gemeinde Breitenborn



 
 
 
 

Von der Glashütten-Siedlung zur Dorfgemeinde  

Im 14. Jahrhundert kommen innerhalb des "Büdinger Waldes" bereits die Orte Wächtersbach, Gettenbach (Göttenbach), Spielberg (Spylberg), Streitberg und Schlierbach (Slierebach) vor. Spätere Ansiedlungen waren die Orte Leisenwald und Wittgenborn. Im Jahre 1600 bestand das Dorf Breitenborn (in den durchforschten Urkunden: Brydenborn, Brytenborn, Bryttenborn, Auff dem Breittenborn genannt) noch nicht.

Nach der "Büdinger Waldordnung" vom Jahre 1609 hatte Graf Wolfgang Ernst I. von Büdingen (1560-1633) hier ein paar Jahre vorher ein Jagdhaus (Forsthaus) und ein Hofgut (wahrscheinlich an der Stelle der jetzigen "Burg" auf Grund von Ausgrabungen) errichtet. Kurz danach (1605) legte dieser Graf an diesem Orte auch eine Glashütte an. Der Holzreichtum führte natürlicherweise dazu, dass nach und nach weitere Glashütten entstanden.

Wolfgang Ernst I., der Gründer des Dorfes, gab Breitenborn dieselben Berechtigungen im "Büdinger Walde", welche die um den Wald liegenden älteren Gemeinden von früher her besaßen.

Breitenborn ist also aus einer Glashütten-Siedlung entstanden. Es hat seinen Namen nach dem "breiten Born" erhalten, der im Unterdorf aus dem Berge quillt.

 

Für die Glasfabrikation lagen im oberen Gründautale günstige Umstände vor. Wasserreiche Quellen begünstigten eine Siedlung. Dazu waren Sand- und Basaltsteine in unmittelbarer Nähe vorhanden. Kalk lag bei Haingründau; Bau- und Brennholz lieferten die unermeßlichen Waldungen. Es bestand weiter die Möglichkeit, durch Waldrodungen das benötigte Acker- und Wiesenland zu beschaffen. Tatsächlich erhielten die Bewohner Breitenborns von der gräflichen Herrschaft Koppelhutberechtigung in einem Weidebezirk von 1000 Morgen, dazu Bau- und Brennholzrechte. Allerdings konnte die Landwirtschaft nicht blühend werden. Das Gelände war nicht besonders günstig und der Wildschaden groß. Kurz gesagt: man hatte "einen kleinen Himmel". Jedoch hatte man durch den 30-jährigen Krieg im Büdinger Wald wie auch anderwärts zu viel Holz. Man sann, wie man es vertilgen könne und öffnete Glasmachern, Pottaschenbrennern und Köhlern den Wald. So heißt es in einem Aktenstück des Büdinger Archivs aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.

Erster Glashüttenmeister war urkundlich Georg Wentzel aus Prykenaue (Brückenau in der Rhön).

Von 1605 ab spielen dann die Wentzel in der Geschichte Breitenborns eine große Rolle. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sich im Anschluss weitere der Familie Wentzel nun in Breitenborn ansiedelten und als führende Mitgründer und Erbauer dieser Dorfgemeinde anzusehen sind.

Unter den alten, schon teilweise stark verwitterten Grabdenkmälern auf dem Bergfriedhof zu Breitenborn befindet sich auch ein solcher von einem Joh. Heinrich Wentzel.

Die Wentzel sind in Breitenborn im Mannesstamme erloschen.

Später wirkte in Breitenborn das sehr alte und weit verbreitete Glasmachergeschlecht der Gundelach (genannt und geschrieben auch Gundoloch, Gundeloh).

Der 1. Gundelach stammte aus der niederhessischen Ton- und Töpferstadt Großalmerode. Auch dessen Grabdenkmal befindet sich noch auf dem Friedhofe. Dieser Gundelach war der 1591 in Großalmerode geborene Elias Gundelach, gestorben 1677; 86 Jahre alt.

Die Gundelach sind in Breitenborn gleichfalls im Mannesstamme erloschen.

Von Großalmerode kamen im weiteren Zuzuge noch weitere Töpfer ("Hafner"). So die Trebing, auch Drebing, Drehbing, Drebin geschrieben, von denen auf einem alten Grabdenkmal Johann Conrad Trebing genannt wird, geboren 1606 und gestorben 1684;, 78 Jahre alt. Er war von dem Grafen von Büdingen nach Breitenborn verpflichtet worden, um die Leitungen der Glashütten zu verbessern.

Eine weitere führende Glasmeister-Familie waren die Beyer. Auf zwei alten Grabdenkmälern auf dem Friedhof werden genannt: Johannes Beyer, geboren 1648, und Johann Georg Beyer, geboren 1683. Sie sind in Breitenborn gleichfalls im Mannesstamm erloschen, aber mit den Stübing versippt worden.

Die Wentzel, Gundelach, Trebing und Beyer sind als die führenden Begründer der Glashütten-Siedlung Breitenborn anzusehen.

Wie aus der Akte S. 5 vom Jahre 1645 hervorgeht, bestand im Jahre 1637 schon eine Gemeinschaftshütte.

Aus Thüringen zogen zu: die Eberhart (Eberhardt), Wiegand (Wygand, Wigand), Hartwig und Ewig. Weitere Ansiedler kamen aus der Pfalz und Böhmen.

Die Zahl der Ansiedler wuchs. Sie fanden in dem neu gewordenen Dorfe anfangs reichliche Beschäftigung als Glasmacher, Pottaschenmacher (-siedler), Holzhauer, Scheitholzmacher, Absatzmacher (Schuhe), Ofenschürer (beim Glasschmelzen), Bollenhauer (Bollen = Mulden für Bäcker und Metzger), Schraubenmacher (Wagnerei), Leinweber, Strumpfweber, Schuhmacher, Schneider, Jäger, Hirt u.a.

Der erste Stübing, der in Breitenborn die Tochter des Glashüttenmeisters Bayer heiratete, kam aus Breitenbach am Herzberg in der damaligen Grafschaft Ziegenhain. Er wurde als Nachfolger seines Schwiegervaters Bayer Glashüttenmeister. Von da ab waren etwa 170 Jahre hindurch die "Stübing" Unternehmer in der Glasbereitung. Die letzte dieser Firma "Philipp Ernst Stübing & Ruwedel" (Ruhwedel) erlosch 1876/77 mit dem Tode Ruwedels. Ruwedel war Philipp Ernst Stübings Schwiegersohn, der (Ruhwedel!) mütterlicherseits der Großvater des jetzigen (1949) Metzgermeisters i.R. Jean Göbel war.

Im Jahre 1659 bestand das Dorf – wie aus der Büdinger Archivakte No. 142 hervorgeht – aus 88 Seelen. In dieser Zahl sind namentlich angeführt: 17 Männer, 16 Frauen (Weiber genannt), 29 Söhne und 26 Töchter.

An der Spitze der angeführten Namen steht der Meister Heinrich Gundeloch (Gundelach) aus Laubach. Mit ihm schloß der damalige Graf von Ysenburg-Büdingen auf dessen Eingabe vom 23. September 1659 hin einen Vertrag über die zu betreibende Gemeinschaftshütte.

Unter den 88 Personen von Brytenborn sind folgende Familiennamen erwähnt: Johann Georg Gundelach, Peter Trebing, Mathias Gundeloch, Conrad Zitterkopf, Johannes Aschenbrenner u.a. Bei jedem Namen ist rubiziert angegeben der Mann, die Ehefrau, die Zahl der Söhne und der Töchter.

Die Zahl der Bewohner wuchs weiter, und es fand notwendigerweise durch die gräfliche Herrschaft eine weitere Zuteilung von Baulandflächen und Wiesen an die Bewohner statt.

Es waren die Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Die Bewohner hatten Schweres erlitten und strebten nach einer festen Heimstätte. Sie hatten sie nun erhalten, waren aber "erbuntertänig" und mußten "Frohnden" leisten. Sie waren in Breitenborn in ihrem Leben auch "gebannet" (gebunden). So mußten sie ihr Korn in der Breitenborner Gräflichen Mühle mahlen lassen.

In einer Akte im Band No. 142 befinden sich Aufstellungen (Specificationes) aus den Jahren 1687 und 1696, die den damaligen Viehbestand angaben. Im Jahre 1696 werden 153 Stück Rindvieh als Ochsen, Kühe und Rinder als Besitzstand aufgeführt.

1687 waren 29 Gebäude vorhanden als Wohnhäuser, Scheunen, dem alten Brauhaus mit Branntweinbrennerei und der alten Mühle.

Im Jahre 1705 waren in Breitenborn 41 Familien eingeschrieben: 15 Glasmacher, 1 Pottaschenbrenner, 4 Bollenhauer, 1 Absatzmacher, 20 Taglöhner.

Anfänglich wurden die Glashütten da errichtet, wo das meiste Holz zum Feuern beim Glasschmelzen handgreiflich in der Nähe war. Das beweisen Flugnamen. Der obere Grund über dem Dorf zwischen dem Mühlgraben und dem Hang zum Eichelskopf heißt der "Glashüttengrund". Der steiler anhebende Hang zum Eichelskopf, der diesen Grund begrenzt, ist der "Pottaschenhang" (Pottasche = aus verbranntem Holz, aus der Asche durch Auslaugen gewonnenes, kohlensaures Kalium). Dort wurde die Pottasche gewonnen. Als im "Hüttengrund" (es gibt ein Forsthaus "Hüttengrund") "Hütten" errichtet wurden, lieferte der "Pottaschengrund" die Pottasche.

Es wurden Fensterglas, Flaschen und Trinkgläser u.a. hergestellt.

In der damaligen Zeit wurde Glas nur im Sommer gemacht. Im Winter betätigten sich die Glasmacher als Holzmacher für den Hüttenbetrieb.

Auch in den Nachbartälern waren Glasöfen in Betrieb. Darauf deuten noch heute Flurnamen wie "die Schmelz" im letzten Drittel rechts der Straße Breitenborn-Haingründen. Es gab auch eine "Gettenbacher Glashütte".

Niedergang der Glashüttenbetriebe

Ums Jahr 1750 begann ein merklicher Rückgang in der Glasherstellung. Mehrere natürliche Gründe waren die Veranlassung dazu.

Der Siebenjährige Krieg (1756-1763) führte zur Verarmung der Bevölkerung. Sie hatte wenig oder gar kein Geld zum Kaufen. Die Holzpreise waren zeitbedingt erheblich gestiegen und verteuerten außerordentlich die Preise der Glaswaren.

Die Gegenmaßnahmen

Die Breitenborner stellten sich mit großer Energie und Aufbietung aller Möglichkeiten gegen diese Abwärtsentwicklung, wie sich aus dem Studium der Archivakten ergibt. Umsonst! Diese Entwicklung zum Schaden der Breitenborner Bevölkerung war zwingend; sie war nicht abzuhalten. 1761 ging die Gemeinschafts-Glashütte ein. Das bedeutete für viele Breitenborner einen schweren Schicksalsschlag. Sie mußten sich nach anderen Entwicklungsmöglichkeiten umsehen oder auswandern.

80 Seelen des Dorfes entschlossen sich, nach Preußisch-Pommern auszuwandern ("emigrieren"). Eine Zeit danach emigrierten weitere der Dorfbewohner 1766 nach Rußland. Der übrige kleine Rest der Breitenborner Bevölkerung ging "nun verhungert und verlumpt herum". "Wer menschlich denkt und sich erinnert, in welchem Flor und Wohlstand dieses Dorf vor 20-30 Jahren gestanden hat und in welchen betrübten Umständen es sich jetzt befindet, den muß dieser betrübte Zustand jammern."

Zur Behebung des nun chronisch gewordenen Notstandes wurden folgende Vorschläge gemacht:

  1. Das Breitenborner Hofgut mit den Weidegängen sollte unter die Dorfebewohner auf Erbleihe aufgeteilt werden.
  2. Gleichzeitig sollen die Frohnden aufhören und statt der Frohngelder mäßige Pachten bezahlt werden.
  3. Sollten die Gebäulichkeiten des Hofgutes an einen leistungsfähigen Unternehmer (Entrepreneur – Beständer) zwecks Wiederaufnahme des Glashüttenbetriebes verpachtet werden.

Bei dieser Gelegenheit wurde eine Spezifikation der Baulandflächen und Wiesen in Breitenborn aufgeführt. Auch wurde die Bevölkerung einer soziologischen Betrachtung unterzogen. Es bestanden damals (1774) 64 Familien, darunter 13 Witwen.

Zum erstenmal traten in den Akten neue Namen auf, darunter: Bernhart Nibling´s Absatzmacher, Johann Hch. Nibling´s Witwe; Conrad Preiseler, Glasmacher; Christoph Koch, Absatzmacher; Johann Georg Koch, Absatzmacher; Conrad Koch, Absatzmacher.

Beruflich setzte sich die damalige (1773) Bevölkerung zusammen aus: 4 Glasmachern (die Zahl war erheblich zurückgegangen), 15 Absatzmachern (hatte sich verlagert/vermehrt), 4 Bollenhauern, 5 Holzhauern, 1 Pottaschensieder (die Zahl war zurückgegangen), 1 "Schmitt", 4 Tagelöhnern, 4 Strumpfwebern ("Strumbfweber"), 4 Schuhmachern, 1 Müller, 1 Jäger, 1 Wirt, 1 Gutspächter, 2 Hirten.

Nach 1816 gingen die Glasmanufakturen in Breitenborn immer mehr zurück. Die Jahre der Napoleonischen Kriege und die nun gewordene fabrikmäßig anlaufende Herstellung von Scheibenglas, Flaschen, Trink- und Ziergläsern u.a. in vielen Orten der näheren und weiteren Umgebung mit Bahnanschluß führten in Breitenborn immer mehr zum Eingehen der Glashütten. Besonders tüchtige Glasmacher wanderten aus,um an anderen Orten ihren liebgewordenen Beruf weiter fortsetzen zu können. Sogar nach USA und Finnland wanderten Breitenborner aus.

Im Jahre 1832 erbaute Graf Adolf II. zu Ysenburg-Büdingen-Wächtersbach auf dem Gelände des heutigen Forsthauses "Hüttengrund" nochmals eine Glashütte, gleichsam um sich noch einmal dem Schicksal des Erliegens der Glasmanufakturen entgegenzustemmen. Der Versuch hatte keinen dauernden Erfolg. Auch diese gräfliche Glashütte ging in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ein. Kurz nach 1900 wurde sie abgebrochen.

Auf dem Gelände des heutigen Hauses Blomeyer gegenüber befand sich zuletzt nur noch die Glashütte der Fa. Stübing & Ru(h)wedel. Sie war die letzte in Breitenborn. Auch sie konnte nicht weiterbestehen. Sie wurde 1892 nach Büdingen verlegt zum großen Leid der Breitenborner Bevölkerung. Die Gebäude wurden niedergelegt. Aus dem Abbruchmaterial dieser Gebäude und massiven Sandstein-Bruchsteinen wurde etwa 1904 auf dem Gelände der ehemaligen gräfl. Hütte ein zweistöckiges stattliches Forsthaus in rauher Technik mit symmetrisch angeordneten großen Fenstern, grünen Jalousieläden und Satteldach errichtet.

 

Die Einwohner von Breitenborn mußten nun jede auch nur kleine Gelegenheit zum Geldverdienen suchen. Die Männer gingen teils in den Wald und waren dort als Holzhauer, Köhler, Waldarbeiter, in der Holzabfuhr u.a. tätig. Andere gingen täglich auswärts zu Arbeitsstätten und verdienten sauer für sich und ihre Familien ihr tägliches Brot. Ihr Leben war ein harter Kampf geworden. Wieder andere schlugen die in zahlreichen Mengen besonders auf den Höhen liegenden Basaltsteine in mühsamer eintöniger Handarbeit zu Schottergestein und Pflastersteinen. Der Breitenborner Bürger Konrad Ewig (Vater) und sodann dessen Sohn Ernst Ewig führten Arbeitsgemeinschaften und ließen viele Jahre hindurch auf dem "Eichelskopf", auf der sogenannten "Grasplatte", Basaltsteine schlagen und mit Pferdefuhrwerken abfahren. Nach etlichen Jahren war dieses Vorkommen indessen aufgearbeitet, und man suchte und fand eine neue, sogar sehr ergiebige Fundstätte auf dem "Vogelskopf". Hier waren etwa rund 40 Arbeiter damit beschäftigt, die Gewinnung von Basaltsteinen bis in die 90er Jahre fortzusetzen.

 
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20.01.2020



Naturbild des Monats
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Witz des Monats

 

 

Vögel sind, so steht's im Brehm, Tiere, welche fliegen.

Singen meistens angenehm und sind

schwer zu kriegen.

Fliegen ohne Unterlass, selbst bei größter Hitze.

Wär ich ein Vogel, ließ' ich das, weil ich so schrecklich schwitze.